Junge Tüftler von heute sind die Ingenieure von morgen

Die Stadt Passau ist um eine vielversprechende Bildungseinrichtung reicher: Gestern wurde die "Wissenswerkstatt" eröffnet − eine von der ZF am Standort Passau initiierte und finanziell großteils getragene Anlaufstation, die junge Tüftler für die Technik gewinnen und so auch in und um Passau weiterem künftigen Fachkräftemangel begegnen soll. "Ein Segen für die Region", meinte Wilhelm Rehm, Mitglied des Vorstands der ZF Friedrichshafen, und sprach damit den vielen begeisterten Wegbegleitern, Türöffnern und Sponsoren des neuen Projekts aus der Seele.

"Es ist ein Tag der Freude für alle Beteiligten", sagte Dr. Manfred Schwab, Vorsitzender des Vereins "Wissenswerkstatt Passau e.V.", bei seiner Begrüßung in den modernisierten Räumlichkeiten im einstigen Hauptpostamt in der Bahnhofstraße. "Es ist ein Angebot für Kinder und Jugendliche, Technik ohne Notenzwang zu erfahren. Auch junge Mädchen sollen dafür begeistert werden", skizzierte der langjährige Passauer ZF-Geschäftsführer das Anliegen des neuen Projekts (siehe auch Kasten rechts). Vor allem die demographische Entwicklung und der zunehmende Fachkräftemangel auch in der Region waren mit ausschlaggebend, das Projekt zu realisieren und das Interesse junger Tüftler für Technik zu gewinnen.

Herausforderung Fachkräftemangel

Der Dank Schwabs galt vor allem den vielen Förderern aus Politik, Unternehmen und Institutionen, die es ermöglicht hatten, sechs Monate nach der Vereinsgründung und nur vier Monate nach dem Einzug in die freien Räumlichkeiten durch ideelle und finanzielle Hilfe die flotte Eröffnung der neuen Bildungsstätte zu realisieren. "Es ist eine einmalige Erfahrung, wie positiv alle reagiert haben und bereit waren mitzuhelfen", sagte der erfahrene Manager und erwähnte, dass es bereits jetzt Nachfrage von "hundert Privatpersonen und Schulen gibt", die die "Wissenswerkstatt" in den kommenden Tagen im wahrsten Sinne ausprobieren wollen. "Die kommenden Wochen werden wir gut beschäftigt sein", meinte Schwab mit Blick auf "Wissenswerkstatt"-Leiter Ralf Grützner und Werkstattmeister Christian Eder.

"In ein einst graues Haus zieht jetzt viel junges Leben ein. Jetzt geht hier bald wieder die Post ab", meinte Wilhelm Rehm. Er erwähnte das seit 2008 großteils leerstehende einstige Post-Gebäude und dankte OB Jürgen Dupper für die Vermittlung. "Wir wollen uns damit in Ostbayern nachhaltig einen Vorsprung erarbeiten", sagte Rehm in der Hoffnung, den Fachkräftemangel auch auf diese Weise mittelfristig mildern zu können.

"Der Fachkräftemangel ist die zentrale Herausforderung dieser Zeit. Es besteht Handlungsbedarf", skizzierte Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw), und bilanzierte, dass bis 2020 allein in Bayern wohl 5000 Ingenieure fehlen werden. "Ein Projekt wie dieses ist ein guter Ansatz für die Fachkräfteförderung vor Ort."

OB Jürgen Dupper entdeckte gleich eine Handvoll Aspekte, die die "Wissenswerkstatt" so wertvoll mache für die Region. Unter anderem werde den Jugendlichen eine "Perspektive" und "ein guter Übergang von Ausbildung und Beruf" ermöglicht. Das Projekt sei eine Antwort der Region auf den Fachkräftemangel. Nebenbei war der Rathaus-Chef aber auch froh über eine gelungene "Revitalisierung dieses Teils der Bahnhofstraße".

"Wer denkt, man lernt nur mit dem Kopf, der hat noch nie die Hände spielender Kinder gesehen", zitierte Franz Meyer eine Albert Einstein zugeschriebene Aussage. "Man darf nicht bis zum Schulabschluss warten, um junge Menschen für technische Zukunftsberufe zu begeistern", meinte der Landrat und sah die neue Bildungsinitiative dabei als einen perfekten Wegbereiter. "Ich wünsche der ,Wissenswerkstatt’ viele begeisterte Kinder − oder besser gesagt: viele Ingenieure, Techniker und Meister von morgen."

Als ein "Ausrufezeichen" und "eine Grundlage für Fortschritt" bezeichnete Prof. Dr. Burkhard Freitag, Präsident der Uni Passau, die neue Einrichtung. "Die Universität steht voller Überzeugung hinter der ,Wissenswerkstatt‘", sagte Freitag. "Die Region hat die Kraft zur Wissenschaftsregion zu werden. Die ,Wissenswerkstatt’ ist ein perfekter Einstieg dazu."

Im Anschluss an die Segnung der Räumlichkeiten durch die Pfarrer August Lindmeier und Stephan Schmoll und vor einem Rundgang konnten sich alle rund 60 Ehrengäste selbst in Tüftelei versuchen. Auf Anweisung der beiden jungen Tüftler Sina (14) und Florian (13) bauten die Honoratioren binnen drei Minuten einen Tischventilator. Die Faszination für Technik und das fertige Produkt blitzte nicht wenigen aus den Augen.

ck (Passauer Neue Presse 30.1.2013)

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Seifenblas-Maschine in Vorbereitung: Laura (links) und Sofia (beide 7. Klasse Realschule Neustift), versuchten sich an einer Apparatur aus Holz und mit einem Mini-Propeller. ?− Foto: Jä