Hier muss es blinken, dampfen, tuten

Kreistag besichtigt Wissenswerkstatt − Anmeldung übers Internet − Angebot kostenlos für Acht- bis 18-Jährige

Passau. "Hier muss sich was drehen, es muss blinken, es muss dampfen, es muss tuten" − wenn Christian Eder von dem Projekt Wissenswerkstatt spricht, lächelt er eigentlich immer. Mal verschmitzt, wenn es um Ideen für Experimente geht. Mal befreit, wenn sich sein Lego-Roboter auf Klatsch-Zeichen dreht. Mal herzlich, wenn er als Werkstattleiter und Ralf Grützner, zuständig für die Konzeption, während der Umbauphase für Bauarbeiter gehalten wurden. Mal dankbar, wenn er von der gewährten Gestaltungsfreiheit erzählt. Mal begeistert, wenn er sieht, wie selbst Politiker zum Kind werden und sich an den aufgebauten Versuchen probieren − so wie die Mitglieder des Kreisausschusses.

Bevor die Wissenswerkstatt, eine gemeinsame Bildungsinitiative von Landkreis, Stadt und Uni Passau, den bayerischen Metall- und Elektroarbeitgebern (bayme vbm) sowie der federführenden ZF am Standort Passau und weiteren Unternehmen aus der Region, am 29. Januar offiziell eröffnet wird, durften die Förderer schon mal die fast fertigen Räume in der ehemaligen Passauer Hauptpost in der Bahnhofstraße besichtigen. Auf 450 Quadratmetern sind Labore für Physik, Elektro- und Steuerungstechnik sowie Werkstätten mit Metall- und Holzbearbeitungsmaschinen entstanden. Als Ersatz oder gar Konkurrenz zur Schule versteht sich die Wissenswerkstatt allerdings nicht.

Im Gegenteil: Man arbeitet teilweise mit Schulen zusammen und man arbeitet, wenn die Schulen zu haben: "In kurzen Ferien machen wir mindestens eine Woche auf, in den Sommerferien vier Wochen. Da sind wir flexibel. Und wenn der Bedarf nach mehr Ferienkursen da ist, wird uns auch etwas einfallen", so die Wissenswerkstatt-Leiter.

Und weil es in der Einrichtung ums Tüfteln, Basteln, Selbermachen und Ausprobieren, ums Hammern, Bohren, Schrauben oder Schweißen geht und nicht ums Reden, hielt sich auch Dr. Manfred Schwab, Vorsitzender der Wissenswerkstatt Passau e.V. und ehemaliger Vorsitzender der Geschäftsführung der ZF Passau GmbH, in seiner Ansprache kurz: Er dankte dem Landkreis für die Unterstützung des Projektes von Anfang an, betonte, wie wichtig es ist, schon Kinder mit Technik und Naturwissenschaften in Kontakt zu bringen, um so später Fachkräfte zu finden. Die Kurse, die in der Wissenswerkstatt angeboten werden, richten sich an Acht- bis 18-Jährige und sind kostenfrei für die Teilnehmer.
"Kinder an das Thema Technik heranzuführen, darf wenig mit Theorie und muss ganz viel mit Praxis zu tun haben. Und praktisch handeln, Dinge in Bewegung setzen − das war auch Leitlinie des Kreistages, das Projekt finanziell zu unterstützen", betonte Landrat Franz Meyer. Fünf Jahre lang gibt’s dafür jeweils 25 000 Euro aus dem Kreishaushalt, wie Regierungsdirektor Klaus Froschhammer bestätigt. Geld, das der Landrat als Investition in die Zukunft der Region versteht: "Neben dem Gesundheits- und Touristikbereich ist es vor allem das produzierende Gewerbe, das einen Großteil der Arbeitsplätze stellt. Produktion braucht aber Produzenten und deswegen brauchen unsere Firmen qualifizierten Nachwuchs."

Manfred Reichenstetter, langjähriger Geschäftsführer der ZF Passau GmbH, jetzt Schatzmeister und stellvertretender Vorsitzender des wissenswerkstatt-Vereins, betonte beim anschließenden Rundgang, dass man beim Aus- und Umbau des alten Postgebäudes dank der findigen Einrichtungs-Leiter − Ralf Grützner ist gelernter Industrieelektroniker, Christian Eder gelernter Elektromeister − schon viel Geld habe einsparen können: "Hier wurden Leitungen verwendet, die eigentlich ausrangiert hätten werden sollen. Das hat uns schon mal 17 Euro pro Meter gespart. Auch die Schalter und Steckdosen waren umsonst: Die sind beim ZF-Umbau rausgekommen und wurden hier wiederverwendet."

Bei der Ausstattung mit Werkbänken und Arbeitstischen habe man außerdem auf die Hilfe der ZF-Ausbildungswerkstatt zurückgreifen können − und auf die Ideen von Ralf Grützner und Christian Eder. "Mit den beiden hatten wir richtig Glück", sagt Manfred Reichenstetter und meint nicht nur die fachliche Qualifikation des Führungsduos: Der 43-Jährige Grützner bildete sich zum Verfahrenstechniker und Technischen Betriebswirt fort, machte eine Managementausbildung und war zuletzt leitender Angestellter in einem Industrieunternehmen, der 36-jährige Eder war Betriebsleiter und Ausbildungsverantwortlicher in einem kommunalen Unternehmen. Beide haben Kinder, waren und sind zudem ehrenamtlich im Jugendbereich tätig, der eine als langjähriger Skilehrer, der andere als Musiker. Was sie außerdem eint: In ihrer Freizeit tüfteln und basteln sie gerne − mit Vorliebe an Oldtimern und ab jetzt auch am Kursprogramm.

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