Knatterboote mit Kerzenantrieb und Kupferrohr-Auspuff

  • Gotteszell. Einen erlebnisreichen Ferienausflug hat der Jugendbeauftragte Sepp Saller am Donnerstag für die Gotteszeller Jugend in die Wissenswerkstatt in Passau organisiert. Mit den Kindern und den Betreuern Susanne Zahlauer und Anton Eibl ging es mit dem Zug nach Passau.

Nach Mittagessen und Rundgang an der Donau schlenderte man wieder Richtung Bahnhof, wo man die nur wenige Meter entfernte Wissenswerkstatt kurz vor 13 Uhr erreicht hatte. Dort wurden die Besucher von den zwei Betreuerinnen Kerstin und Verena sehr freundlich empfangen. Die Gotteszeller erfuhren, sie seien die erste Gruppe für den Knatterboot - Kurs. Schon deshalb waren die Kinder und deren Betreuer sehr gespannt auf diesen Nachmittag.

Nach einer Sicherheitsbelehrung und einer praktischen Unterweisung an den Anlagen ging es in einzelnen Schritten zum Bau des Knatterbootes. Es wurde unter anderem auf die Notwendigkeit von Schutzbrille und Haarnetz hingewiesen.

Sehr ausführlich und für jeden verständlich machte Kerstin, die Gymnasiallehrerin studiert hat, den Kindern jeden Schritt einzeln vor, zum Nachlesen unterstützt durch eine Power-Point-Präsentation. Zusätzlich standen die beiden Damen bei Fragen jederzeit zur Verfügung.

Zu den ersten Arbeitsschritten gehörte das Anzeichnen des Bootskörpers aus Styropor und das Anzeichnen der Holzplatte, auf der das Styropor befestigt wurde, sowie das Ausschneiden dieser mit einem elektrischen, heißen Draht und einer elektrischen Laubsäge. Weiter ging es mit dem Verkleben dieser beiden Einzelteile sowie dem Bohren der beiden Löcher für den Auspuff des Bootes.

Im Anschluss daran kam eine sehr anspruchsvolle Aufgabe. Ein Kupferrohr musste von Hand und mit einfachen Hilfsmitteln in die Form eines Bootauspuffs gebogen werden. Nachdem dieser bei allen Teilnehmern in der richtigen Form war, wurde er durch die beiden Löcher im Boot geführt, mit zwei Biegeklötzen und Schraubstock noch nach hinten weg gebogen und mit der Heißklebepistole in korrekter Position befestigt. Kerstin schnitt dann den Auspuff bei jedem Knatterboot in richtiger Länge zu.

Nachdem alle auf demselben Stand waren, befestigten die Kinder unter dem Auspuff, ebenfalls mit der Heißklebepistole, ein großes Teelicht. Technisch war das Boot jetzt fertig. Jetzt stand noch das Verzieren der Boote auf dem Plan. Jeder durfte sich das so gestalten wie er mochte. Verwendet wurden hier unter anderem verschiedene Filzstifte, Isolierbänder, Fäden und dünne Aluminiumplättchen. Einige Kinder statteten ihre Boote auch mit Fahnen verschiedener Nationalitäten aus oder beschrifteten es mit ihrem Namen.

Danach wurde es ernst. Fährt das Boot oder nicht? Man ging zusammen mit Kerstin und Verena an ein großes Wasserbecken. Kerstin füllte den "Auspuff" jeweils mit Wasser, denn das Wasser im Kupferrohr diente neben der Kerze zum Antrieb des Bootes. Dann wurde die Kerze an allen Booten angezündet.

Schon nach kurzer Zeit, also nachdem das Wasser und die Kupferrohre heiß waren, fuhren die ersten Boote auf dem Wasser. Anschließend traf man sich im Werkstattraum noch zur Abschlussbesprechung, wo die letzten offenen Fragen noch geklärt wurden. Auf dem Weg dorthin konnte man auch noch kurz die neueste Errungenschaft der Wissenswerkstatt Passau sehen, einen Handylautsprecher, selbst gemacht.

Der Jugendbeauftragte Sepp Saller lobte die offene und freundliche Zusammenarbeit, die Ausstattung der Wissenswerkstatt sowie die Ordnung und Sauberkeit im kompletten Gebäude. Er überreichte Kerstin und Verena für die hervorragende Arbeit ein kleines Präsent. Nach der Verabschiedung ging die Gruppe wieder Richtung Bahnhof Passau.
Im Zug heimwärts wurde es den Kindern nicht langweilig, denn man traf einen Polizisten, der für die Kinder sehr offen war und ihnen alle Fragen beantwortete. Damit wurde die Zugfahrt zumindest gefühlsmäßig verkürzt. Die Waldbahn war kurz nach 17.30 Uhr wieder am Bahnhof in Gotteszell, wo die Kinder von ihren Eltern abgeholt wurden. − dr

Die WissenswerkstattIm Juni 2012 gründeten Vertreter von ZF in Passau, Stadt und Landkreis Passau und der bayerischen Metall- und Elektro-Arbeitgeberverbände (bayme vbm) sowie der Universität Passau den gleichnamigen gemeinnützigen Verein, der die Wissenswerkstatt Passau als Bildungsinitiative trägt.

Die Wissenswerkstatt bietet Kindern und Jugendlichen das Erleben von Phänomenen aus Naturwissenschaft und Technik, spannende Versuche und Projekte, die Teilnahme an Vorführungen, Vorträgen und Betriebsbesichtigungen ("Technik live").

In der Wissenswerkstatt steht das "Selbermachen" im Vordergrund. Dafür stehen auf einer Fläche von etwa 400 Quadratmetern im ehemaligen Postgebäude in der Passauer Bahnhofstraße eine mechanische Werkstatt mit Metall- und Holzbearbeitungsmaschinen, EDV sowie Labore für Physik, Elektro- und Steuerungstechnik zur Verfügung.

Kinder und Jugendliche können dort in selbst durchgeführten Versuchen und spannenden Experimenten technische Phänomene erleben und begreifen. Darüber hinaus wird das erworbene Wissen auch durch handwerkliche Arbeiten in echte Produkte umgesetzt.

In Experimenten, durch den eigenhändigen Bau von Produkten oder im Austausch mit Profis erleben Kinder und Jugendliche, was sie selbst mit der "richtigen Technik" erreichen können.

 

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